26. Juli 2006 – 23:47
Mal wieder ‘was längeres…
Manche Leute sind der Meinung, die ganze Welt würde nur existieren, um ihre Wünsche zu erfüllen, und das kostenlos.
Der Besitzer einer Großwäscherei rief mich vor einiger Zeit an und brauchte für eine seiner Maschinen einen speziellen Pufferakku. Er konnte den Akku weder großartig beschreiben noch sah er sich in der Lage, ihn mir vorbeizubringen, damit ich ihn selbst sehen kann. Er hatte lediglich eine Bezeichnung aus dem Service-Manual der Maschine für mich. Da Akkubezeichnungen oft alles andere als eindeutig sind konnte ich mit der Bezeichnung erstmal nichts anfangen.
Ich hab’ dann also Google angeschmissen und nach zuverlässigen Informationen und am besten einer Abbildung zu dieser Bezeichnung gesucht. Es war sogar ein Akku, den ich mir in meinem Kopf schon in eine Art engere Auswahl gepackt und dem Kunden auch schon beschrieben hatte, aber er konnte mit meiner Beschreibung nicht viel anfangen.
Das Problem: Den Akku habe ich nicht standardmäßig auf Lager, da er sehr selten gebraucht wird. Er brauchte aber bis möglichst gestern eine Lösung des Problems, da er jeden morgen früher aufstehen und seine Maschine programmieren muß, da diese beim Ausschalten einen kompletten Gedächtnisverlust erleidet.
Ich habe ihm die üblichen Lösungen vorgeschlagen:
- ein kleinerer Knopfakkupack, der zwar natürlich eine geringere Kapazität hat, was aber bei täglichem Einschalten der Maschine keinerlei Auswirkungen haben wird. Nein, das will ich nicht riskieren!
- ein deutlich größerer Akkupack mit gleicher Spannung und höherer Kapazität, den man irgendwo im Gerät unterbringt und dann einfach ein Kabel an die Stelle verlegt, wo der Originalakku sitzt. Nein, so ein Gefrickel will ich nicht, außerdem ist in der Maschine kein Platz mehr!
Also blieb nur, den Akku zu bestellen. Ich habe ihm also den Akku für 9,90€ angeboten. Ein fairer Preis!
Das ganze war Donnerstags nachmittags, am Wochenende wollte er die Maschine gerne reparieren. Wenn ich wollte, daß die zwei Akkus bis zum Wochenende da sind, mußte ich sie sofort und vor allem einzeln bestellen, denn eine größere Bestellung hätte mein Lieferant nicht mehr bis zur Abholung seiner Pakete durch den Paketdienst kommissioniert bekommen.
Das heißt:
- Mindermengenzuschlag, weil ich nicht über den Mindestumsatz pro Bestellung komme: 5,-€
- Portokosten, weil ich erstrecht nicht über den Mindestumsatz für Versandkostenfreie Lieferung komme: 4,90€
- Dazu noch ein zum Zeitpunkt der Nachfrage nicht genauer festzustellender Expresszuschlag, damit das Päckchen sicher am nächsten Tag da ist.
Ich habe dem Kunden also mitgeteilt, daß ich ihm die Akkus bis zum nächsten Tag die Akkus besorgen kann, daß sie aber aufgrund für mich höherer Kosten dann 19,90€ pro Stück kosten würden.
K: Ja, ich brauch sie halt. Bestellen Sie sie mir!
V: Ich bräuchte dann noch kurz eine formlose Bestätigung der Bestellung per Fax…
K: Och, wissen Sie, ich bin gerade in der Wäscherei, habe hier kein Faxgerät zur Verfügung, meine Frau ist auch nicht zu hause, ich habe kein Benzin mehr und ‘n platten Reifen. Ich habe nicht genug Geld für’n Taxi. Mein Smoking kommt nicht aus der Reinigung. Ein alter Freund von auswärts ist zu Besuch. Jemand hat mein Auto geklaut. Da war ein Erdbeben. Eine schreckliche Flutwelle. Es ist nicht meine Schuld, ich schwöre es!!
V: Tief durchatmend Ist OK, ich bestelle Ihnen den Akku so, ich hoffe, Sie kommen den auch wirklich abholen!
Lächerlich! Ein Gewerbebetrieb ohne die Möglichkeit, mal eben ein Fax zu verschicken…
K: Natürlich hole ich den ab! Ich brauche den doch!
Es kam natürlich zum Supergau! Mein Paket ist beim Paketdienst im falschen Container gelandet und fand sich dann in $BUNDESLAND_DAS_VON_MEINEM_WEITESTMÖGLICH_ENTFERNT_IST wieder. Es kam natürlich nicht am nächsten Tag an und es war sogar aus irgendeinem Grund noch nicht einmal möglich, das ganze am Samstag zuzustellen, was mir die Tante vom Paketdienst lang und breit und angeblich auch logisch erklärte!
Ich habe also meinen Kunden angerufen und seinem Assistenten gesagt, daß der Akku aufgrund von Problemen beim Paketdienst leider erst Montag ankommt. Daß ich verstehen kann, daß das für ihn ungünstig ist, aber daß es außerhalb meines Einflußbereiches passiert ist. Ich habe ihm sofort von mir aus zugesagt, daß in diesem Fall für ihn natürlich nur der ursprünglich angebotene Preis von 9,90€ fällig wäre, da die Espresslieferung ja nicht geklappt hätte. Obwohl ich wußte, daß ich von meinem Lieferanten, der für die Sache genau so wenig konnte, weder das Porto noch den Mindermengenzuschlag zurückbekommen würde. Obwohl ich noch nicht sicher war, ob es sich lohnt, sich mit einem Paketdienst um ein paar Euro Mindermengenzuschlag zu streiten. Er sollte für die Akkus nur noch das bezahlen, was er bezahlt hätte, wenn der Akku ganz normal bestellt worden wäre.
Damit wäre der Deal für uns 0:0 ausgegangen. Wir hätten nichts an den Akkus verdient, hätten aber (außer meiner Arbeitszeit) auch nichts draufgelegt…
Eine Stunde später rief mich sein Assistent zurück, sein Chef wolle die Bestellung gerne stornieren. Ich habe dem Herrn recht deutlich gesagt, daß das so einfach nicht ginge und daß ich gerne mit seinem Chef reden würde. Er war natürlich nicht da, also sagte ich, daß ich Montag noch einmal anrufen würde.
Montag ließ der Chef mir dann mitteilen, daß er nicht beabsichtige, mit mir zu reden und daß für ihn die Sache erledigt sei. Man habe den Akku in $50kmWEITER bei C****D gekauft, die hätten den sofort auf Lager gehabt (für 15€, Anm. d.Autors), und ich solle mir nicht einbilden, wir hätten keine Konkurrenz!
Bei solchem Verhalten könnte ich regelmäßig zu viel kriegen. Man reißt sich ein Bein aus für seine Kunden, recherchiert, weil sie einem nur sehr dürftige Informationen liefern können, bringt zwei alternative und billigere Lösungsvorschläge für ihr Problem, verzichtet aus lauter Nettigkeit noch auf eine schriftliche Bestätigung des Auftrags, und was passiert? Man kriegt einen Arschtritt, weil irgendwas passiert ist, wofür man noch nicht einmal etwas kann.