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Freitag, 08.08.2008

Hautnah am Rauswurf vorbei...

Ich habe ja schon über die Problematik des Anstellens an einer Schlange geschrieben, was offenbar in Deutschland viele Menschen nicht beherrschen.
Auch ich hatte ja schon meine Erfahrungen mit Menschen, die eine Schlange für eine Erfindung für niedere Kulturen halten...

Heute ist eine ältere Dame wegen dieses Themas hautnah an einem Rauswurf aus dem Laden vorbeigeschliddert...

Es war mal wieder etwas voller im Laden, es standen so etwa 4-5 Leute an. Unter anderem ein Junger Mann udn ein älteres Ehepaar.

Ich wurde irgendwann fertig und der junge Mann kam an meine Kasse.

Junger Mann: Guten Tag, ich bra...
Ältere Kundin: Das ist ja wohl eine Unverschämtheit! Wir waren vor Ihnen dran!
JM: Sie haben sich an eine zweite Schlange angestellt, die es nicht gibt!
...und das gepolter ging los. Was mir schon unangenehm auffiel war, daß der junge Mann dem Paar nicht ins Gesicht schaute sondern eisern in meine Richtung schaute. Ich hatte aber überhaupt keinen Dunst, wer von beiden zuerst im Laden war. Ich machte einen Schritt von der Theke zurück und schaute erst einmal, was passiert...
ÄKin: Das ist überhaupt nicht wahr, Sie sind an uns vorbeigegangen!
JM: Ich brauche Akkus, für dieses Radio, das dort unten steht, brauche ich 8 Mignon-Akkus!
ÄKin: Das geht ja wohl überhaupt nicht! Sie können den doch nicht bedienen!
Ich: Ich bediene hier niemanden! Machen Sie mal unter sich aus, wer als nächstes dran ist, ich habe genug mit meinen aktuellen Kunden zu tun und kann nicht auch noch drauf achten, wer in welcher Reihenfolge den Laden betreten hat!
ÄKin: Das ist ja wohl die Höhe!
Älterer Kunde: Komm, mach' langsam, laß den halt seine Akkus kaufen...das bringt doch nichts!

Die beiden haben sich zurückgezogen, ich habe dem jungen Mann seine Akkus verkauft, was keine Minute gedauert hat, nicht ohne permanent im Hintergrund die Flüche der "Dame" zu hören! Dann waren die beiden dran. Sie hatte immer noch einen ziemlich agressiven Tonfall drauf...

ÄKin: So, ich muß das jetzt nochmal sagen, das geht so nicht, was Sie da gemacht haben! Das können Sie nicht machen! Wir waren vor dem jungen Mann hier!
I: Das mag sein, aber das kann ich beim besten Willen nicht beurteilen! Wenn ich Kunden berate, dann kann ich nicht noch nebenher drauf achten, wer wann den Laden betritt!
ÄKin: Nein, das geht so nicht! Das dürfen Sie nicht so machen! Das verbitte ich mir!
ÄKe: Laß das doch, der Mann kann doch auch nichts dafür!
ÄKin: Doch, der kann sehr wohl etwas dafür! Hier an der anderen Kasse wurde ein Mann bedient, der vor uns da war, der hätte bestätigen können, daß wir vor dem jungen Mann dran waren! DAS KÖNNEN SIE MIT UNS NICHT SO MACHEN!
I: So, und jetzt hören Sie mir mal zu! Ich mache hier meinen Job, und den mache ich gut! Ich habe bis jetzt noch jedem Kunden, der sich helfen lassen möchte, seine Probleme gelöst. Dazu gehört aber auch, daß ich mich auf meine Kunden konzentriere und ihnen zuhöre. Dabei kann ich nicht noch permanent den Laden im Auge behalten und mir merken, wer den Laden betreten hat. Ich weiß nicht, wer von Ihnen zuerst den Laden betreten hat, ich weiß genau so wenig, wen ich hätte als Zeugen befragen sollen/können. Aber eins weiß ich ganz sicher: Ich kann nichts dafür, daß in diesem Land niemand in der Lage ist, sich an einer Schlange anzustellen. Und wenn Sie sich nicht bald beruhigen und endlich aufhören, mich anzuschreien, dann werfe ich Sie persönlich aus diesem Laden raus, und das wäre nach 10 Jahren immerhin eine Premiere!
ÄKe: Genau, jetzt beruhig Dich einmal!

Sie war von dem Augenblick an ruhig. Ich habe ihren Mann beraten, leider konnte ich ihm nicht helfen, konnte ihm aber eine Adresse nennen, wo ihm sicher geholfen werden kann. Nach ca. einer Minute ist seine Frau wortlos aus dem Laden gegangen, während er noch mitten im Gespräch mit mir war.

Ich habe mich bei ihrem Mann noch einmal entschuldigt, hätte das auch bei ihr noch getan, wenn sie etwas weiter runtergekommen wäre, aber das wollte sie ja anscheinend nicht mehr.
Er meinte nur, es sei schon in Ordnung, ich hätte vollkommen recht.

Leute, ich weiß, daß es ärgerlich ist, wenn sich jemand vordrängelt. Man muß sich ja nicht alles bieten lassen,

aber macht bitte nicht den Verkäufer zum Buhmann! Der kann wirklich am allerwenigsten dafür!

Kommentare

Ja, Menschen und Schlangen. Das war schon immer eine schlechte Kombination.
Leider ist man viel zu häufig der Dumme, wenn man sich tatsächlich in der Schlange anstellt. (Ich praktiziere es aber immernoch.)
Das beste Beispiel ist eigentlich der Flughafen: Wenn 2 Check-In-Schalter geöffnet sind, dann stehen davor mindestens 5 Schlangen, teilweise ineinander übergehend und sich weiter hinten wieder trennend usw. und zwischen drin ständig Leute die sich über angebliche Vordrängler beschweren, während die wirklichen eisern in die Gegend starren.
Es könnte ja passieren, dass das Flugzeug plötzlich startet.
Gut, in Zeiten von Pilotenstreiks nicht unbedingt, aber man weiß ja nie ;)

Mittendrin steh dann ich, innerlich grinsend, weil ich mich nach 20 Jahren an den Anblick gewöhnt hab.
Genauso wie ich am Zielflughafen gemütlich zusehe, wie die Pauschaltouristen in irrer Geschwindigkeit von Gepäckband zu Gepäckband rennen und schließlich weinend in den Armen ihrer Pfleger zusammenbrechen, und am Ende den übriggebliebenen Koffer nehme. Meinen :)

Da kriegt Fremdschämen eine neue Dimension *kopfschüttel*
Wer weiß was sie den Tag noch angefressen hat, dass sie da so explodiert ist

Bis auf die Engländer kriegt das Problem Schlange vs. Mensch niemand gelöst, die stehen an der Bushaltestelle sogar zu zweit in einer Schlange. :)

In Schweden nutzen die so Nummernabreißrollen und große Aufruftafeln. Vielleicht wäre das auch was für euch. Allerdings gibt es dann immer wieder die Kunden, die da flux dran vorbei laufen.
Naja, vielleicht ist dieses Problem auch einfach nicht lösbar...

Bei uns in der Schule gab es so "Bus Guides", das waren (ältere) Schüler die sich freiwillig dadrum gekümmert haben, dass alle gesittet in den Bus kommen, aber extra welche einzustellen die sich um die Schlange an der Kasse kümmern geht wahrscheinlich nicht... ^^

Ich hatte neulich zum ersten mal im Fernsehen von diesem Amerikanischen Modell gehört, habe es auch sonst bisher nirgends gesehen und deshalb verstehe ich nicht weshalb man nicht einfach das normale System wie z.B. beim Aldi benutzt, da kann man doch eigentlich gar nicht vordrängeln (zwischen den Kassen).

@TooT:
Mit amerikanischen System meinst du wahrscheinlich, daß es nur 1 Warteschlange für x Kassen/Bedienpunkte/Schalter gibt.

Das normale System beim Aldi ist doch schon so. Leider ist x immer 1...

Das amerikanische System (eine Schlange, x > 1 Schalter) praktiziert hier die einzige im Umkreis von 30km übrig gebliebene echte Post. Das verwirrt die Kunden so, dass es auch nicht hilft und ständig jemand an der Schlange vorbei läuft, unter den Absperrungen durchtaucht und sich irgendwo an einen Schalter an dem gerade bedient wird (was bei der Post halt so unter "bedienen" verstanden wird) dazustellt.

Vom Postangestellten kommt dann die Frage "gehören Sie dazu?" und der meist vergebliche Versuch den Störenfried an das Ende der Schlange zurückzuschicken.

Dann wünsche ich mir amerikanische Waffengesetze. Es soll die Leute höflicher mache "But your Honor, he needed killing!"

Nummern ziehen im Elektronikladen gibt es auch. Zumindest habe ich das mal in einer Filiale des großen Zeh gesehen (ich schwör, ich kaufe sehr selten beim großen Zeh, echt jetzt!). Richtig geholfen hat das auch nicht

Wie hier schon in den Kommentaren geschrieben wurde, wird das System auch bei der Post zelebriert und ich muss mich dort immer wieder sehr im Zaum halten, damit ich nicht laut anfange zu lachen, wenn sich mal wieder jemand empört, was für eine Frechheit es doch ist, dass er sich in der Schlange anstellen soll - er hätte doch schließlich schon am Schalter gestanden (nicht schwierig, wenn man zum Ausgang reingeht...).
Interessanterweise passiert das besonders oft, wenn mal wieder Monatsende ist und sich erstaunlich viele Leute in Traingsanzügen und Jogginghosen ca. 300 EUR auszahlen lassen und dabei grundsätzlich keine Zeit haben...

Das mit den Nummern haben wir auch schon überlegt.

Das Problem ist, daß die Leute bei Nummern oft die Assoziation "Arbeitsamt" haben, und daß "man ja nur da Nummern ziehen muß, wo man sowieso immer lange steht!"...

...man kann sich mit so Nummernautomaten durchaus Kunden vergraulen, auch wenn es eigentlich nur eine Verbesserung wäre!

@TooT
Nicht in jedem Laden macht es Sinn, klassische Checkout-Kassen zu machen, durch die man immer nur einzeln durch kann. Abgesehen davo kann man auch dort, wenn die Schlangen zu lang werden, sich wieder seitlich anstellen.
Und das wichtigste: Das "normale" System beinhaltet immer das Problem, daß man sich grundsätzlich an der falschen, weil langsamsten, Kasse anstellt. Beim amerikanischen System werden die Leute definitiv in der Reihenfolge bedient, wie sie gekommen sind, was fairer ist!

Ich plädiere ja schon lange für sichtbare Markierungen auf dem Boden (Mindestabstand) und für die Einführung des amerikanischen Systems im Laden. :)

Gruß

@ABE
Dir ist schon aufgefallen, daß wir das amerikanische System nutzen???

Ein interessantes, sehr selten öffentlich behandeltes Thema. Das amerikanische System (das aber offenbar dort bei der Einreise nicht gilt) hat schon seinen Vorzug. Es hat aber Jahre über Jahre gedauert, bis es in Deutschland von der Deutschen Post übernommen wurde. Und die Kunden haben es, das klingt ja hier an, bis heute teilweise nicht kapiert, obwohl es, genau wie die "klassische" Schlange, nicht schwer zu verstehen ist. Selbserklärend gewissermaßen - vorausgesetzt, das Terrain im Geschäft ist entsprechend übersichtlich gestaltet.
Daß das amerikanische System in normalen Läden in D genutzt wird, habe ich bisher so gut wie nicht beobachten können. Da scheint Ihr Geschäft die Ausnahme zu sein.
Ein völlig wirres System findet man in D bei McDonald's oder Burger King. Eigentlich ist das dort teilweise reine Anarchie beim Anstellen. Daher gilt dort manchmal: später gekommen, eher bedient worden.
Schweden benutzt in der Tat Nummern, zumindest auf den Postämtern. Ist gar nicht so schlecht. Die Assoziation Arbeitsamt ist m. E. nicht zwingend, denn dazwischen liegen in der Praxis doch Welten. Sicherlich nur eine Gewohnheitsfrage.

@anonym
McD und BK sind definitiv reine Anarchie...da gibt es kein System, was man nicht beobachten könnte!
Das mit dem Nummernziehen ist in Deutschland bei vielen Kunden zu Unrecht extrem negativ behaftet, das haben schon vielfach Studien belegt. Ich kriege das auch immer wieder im Bekanntenkreis zu hören, daß die Leute keine Nummern ziehen wollen...

@ Oldschool

Dir ist schon aufgefallen (hast du nicht gerade heute einen Blogeintrag darüber verfasst?!?!?) dass es nicht klappt, da die Kunden gar nicht wissen, welches Wartesystem in dem Laden herrscht?
Mit Einführen meine ich deshalb: Klare Markierungen, welche die Kunden auf das Wartesystem hinweisen.

Genutzt, wird bei uns praktisch gar kein System. Wir hoffen nur, dass sich möglichst viele Kunden das amerikanische System heraussuchen und es praktizieren! :)

Gruß

Kenne ich. Wir bedienen Freestyle. Also frei stehend ;)
Ist der Kunde fertig beraten, kommt der nächste dran.

Dumm ist es nur, wenn einen 3-4 Gesichter ansehen und jeder der nächste sein wollte.

Konnte man bisher immer gut lösen.

Beim Bäcker drängeln sich aber immer nur eine Sorte Menschen vor...Rentner...

Zettelziehen ist genial. Hab ein Jahr lang in Schweden gewohnt und vermisse es schon sehr. In der Bank hat man sich seinen Zettel geschnappt und sich dann in die Sofaecke gelümmelt, wo man genug Zeit hatte, die ganzen Zettel auszufüllen. Ist einfach gemütlicher und weniger stressig. Eigentlich gibts die Nummern dort überall, bei Behörden, Banken, am Bahnhof, beim Arzt und Apotheker. Im Supermarkt an der Wursttheke fand ich die Dinger aber irgendwie überflüssig, da kann man die Wartezeit ja nutzen und sich überlegen, was man haben will.

Nervig ist bloß das "zweimal Zettelziehen", wenn man erst einen Zettel für die Anmeldung im Krankenhaus braucht und dann nochmal einen für den zugewiesenen Arzt.

Das Nummernziehsystem hab ich selbst auch schon beim Friseur erlebt. Vielleicht setzt sich doch das schwedische Modell durch die Hintertür durch...

Allerdings könnte man damit ankommen, dass dieses ganze Zettelzeugs nicht unbedingt umweltfreundlich ist...aber ist ja Stress auch nicht ;o)

Gaaaanz schlimmm auch bei McDonals und anderen Fastfood-Ketten... viele Kunden sind zu DUMM sich normal in eine Schlange einzureihen, stellen sich wild überall daneben, andere Stellen sich wiederum hinter diese Pseudo-Schlangen...
...hatte schonmal eine "nette" Auseinandersetzung, auch mit einer alten Schachtel die es nicht begriffen hat, und mich beschuldigte vorgedrängelt zu haben...

Ich hätte gerne einen Viertelpfünder mit Käääääse.
Das liegt alles am metrischen System sag ich!

wenn sich egal in welcher Schlange jemand an mir vorbeidrängelt, dann mache ich höflich darauf aufmerksam dass das Anstellen entweder zivilisiert in der Schlange, also "in order of appearance" ablaufen kann, was bedeutet sich hinter mir einzureihen, oder eher Darwinistisch nach dem Motto "die Stärksten und schnellsten zuerst", was bedeutet dass ich an Allen vorbeidrängeln dürfte die sich als schwächer als ich erweisen...

die meisten stellen sich dann doch sehr gerne hinten an :D

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